Fest des Eintauchens

Schwäbisches Tagblatt, über den Kantatengottesdienst am 6. Januar 2016

Beim Kantatengottesdienst am Erscheinungsfest feierte die Stiftskirchengemeinde mit dem Deutschen Institut für Ärztliche Mission (Difäm) das 100-Jahr-Jubiläum des Paul-Lechler-Krankenhauses, 1916 als Tropengenesungsheim für Missionare gegründet. Heute ist die Tropenklinik das zweitgrößte deutsche Krankenhaus für Tropenmedizin und zugleich „Kompetenzzentrum für Alters- und Palliativmedizin“. Das Difäm wurde 1906 gegründet.

Unter Katja Rambaums Leitung gab der Figuralchor erst im November ein Benefiz für das stationäre Hospiz, das ein Förderverein gemeinsam mit dem Difäm in Tübingen einrichten will. Am Dreikönigstag begeisterte der Chor wieder durch eine verschlankte, rhetorisch artikulierte Klanggebung und wachsame Textausdeutung.

Festliches und Nachdenkliches verbanden sich in Telemanns Psalmkantate „Laudate Jehovam“. Mit gestischen Akzenten setzen die Chorstimmen ein wie freudige Trompeten-Signale. Gewann die Camerata viva (Konzertmeister: Georg Eckle; Orgel: Jens Wollenschläger) dem Streicherklang glanzvolle Farben ab, öffnete die Chorinterpretation vielfältige Textebenen und Tiefenräume. So wurde etwa das Wort „veritas“ schmerzvoll aufgefächert – Gottes Wahrheit und Treue, durch alles Leid hindurch.

Stilistisch verwandt das spätbarocke Magnificat B-Dur von Francesco Durante, bereits frühklassisch flächig, geglättet und beschleunigt. Hier gefielen die dynamischen Linienzüge, die dramatischen Kontraste – gravitätisches Adagio oder straffes Allegro mit feurig flackernden Violinen.. (Achim Stricker)