Botschaft der Psalmen

Der Tübinger Figuralchor gestaltete die Motette

TÜBINGEN (hb) Am Samstagabend trat in der Stiftkirche der "Tübinger Figuralchor" auf, ein seit zwei Jahren bestehendes stattliches gemischtes Ensemble, das von Katja Rambaum geleitet wird. Von ihr, die als Musiklehrerin am Kepler-Gymnasium arbeitet, war ein sehr einheitliches und darum auch effektives Programm erarbeitet worden, dem die Sängerinnen und Sänger vollauf gerecht wurden, sowohl in der Differenzierung des Klanges als auch in der Klarheit der Deklamation.

Auch die Psalmvertonungen "Wie lieblich sind deine Wohnungen" und "Schaffe in mir, Gott, ein reines Herz" des Böhmen Andreas Hammerschmidt zeichneten sich durch eine kraftvolle Sprache aus, deren stilistische Einordnung dem Chor trefflich gelang.

Katja Rambaum brachte es fertig, ihrem Chor auch Werke des 20. Jahrhunderts schmackhaft zu machen.

Da durfte Hugo Distler als Vertreter einer noch etwas zaghaften Moderne, nicht fehlen. "In der Welt habt ihr Angst" und "Wie der Hirsch schreit" zeugten von seinem Streben nach einer zeitgemäßen Aussage. An Willy Burkhard, dem interessanten Schweizer Komponisten, zu erinnern, war sehr zu begrüßen, seine Vertonung des 121. Psalms, "Ich hebe meine Augen auf", wirkte in ihrer aufrichtigen Schlichtheit durchaus suggestiv.

Zum Schluss war noch einmal der 100. Psalm zu hören, und zwar in der grandiosen Musikalisierung von Felix Mendelssohn-Bartholdy. Von ihm stammte auch die Motette "Herr, nun lässest du deinen Diener in Frieden fahren" aus dem Todesjahr 1847. Diese Vorträge bestätigten noch einmal das hohe Niveau der Interpretationen. So war es nicht verwunderlich, dass die überaus zahlreichen Zuhörer lebhaft Beifall spendeteten.

Schwäbisches Tagblatt, über die "Motette" in der Tübinger Stiftskirche am 8. Oktober 2005