Mit Motetten an die Krankenbetten

Katja Rambaum bringt mit einem Chorprojekt etwas Abwechslung in den Tübinger Klinikalltag

TÜBINGEN. Am Sonntag erlebten die Besucher des Gottesdienstes in der Berufgenossenschaftlichen Unfallklinik (BG) in Tübingen eine Premiere, als der Chor zwei Motetten vortrug: die 30 Sängerinnen und Sänger standen in dieser Formation das erste Mal vor dem Publikum.

Ein halbes Dutzend Mal mussten die Tenöre bei der Probe am Samstagnachmittag in der BG die gleiche Passage wiederholen: "Verwirf mich nicht von Deinem Angesicht!" Katja Rambaum war erst zufrieden, als der ernste Text von den hohen Männerstimmen eher sprechend als singend rezitiert wurde. Die Chorleiterin ging mit akribischer Detailverliebtheit jeden Takt der Motette "Schaffe in mir Gott ein reines Herz" von Johannes Brahms durch ...

Aber trotz der unnachgiebeigen Strenge, mit der Rambaum auf korrekte Betonung und saubere Tonhöhen pochte, war die Stimmung gelöst. Die Sängerinnen und Sänger hatten einfach großen Spaß an ihrem gemeinsamen Projekt.

"Wir wollen strahlende Musik in die Klinik bringen", erklärt Katja Rambaum. Die Musiklehrerin am Tübinger Kepler-Gymnasium hat bereits jahrelange Erfahrung als Chorleiterin. Hinter ihrem Projekt an der BG steht die Idee, das traditionelle Weihnachtssingen für die Patienten auf andere Termine auszuweiten.... Unterstützung bekommt das Projekt auch von den beiden musikbegeisterten Klinikseelsorgern. Der evangelische Pfarrer Hermann Schubert, der am Sonntag den Gottesdienst gestaltete und sein katholischser Amtskollege Andreas Rupp singen beide mit.

Schwäbisches Tagblatt, Probenbericht über das erste "Chorprojekt in der Klinik" im Mai 2003